Scannen von Schwarzweißfilmen
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Schwarzweiß-Negativfilme zeigen die Motive mit umgekehrten Helligkeitswerten. Dunkle Schatten erscheinen hell, während helle Bildbereiche, etwa Wolken, dunkel wirken. Erst beim Vergrößern bzw. bei der Umwandlung in ein Positiv kehren sich die Tonwerte wieder um.
In der Regel handelt es sich bei Schwarzweißfilmen um Negative. Es existieren jedoch auch schwarzweiße Diapositive. Die folgenden Erläuterungen gelten grundsätzlich für beide Filmtypen, beziehen sich jedoch häufig auf Negative, insbesondere bei der Tonwertumkehrung.
Beim Scannen von Schwarzweißfilmen spielen Farben keine Rolle, da ausschließlich Graustufen zwischen Weiß und Schwarz vorkommen. Entscheidend ist vielmehr, ob der Scanner den gesamten Tonwertumfang differenziert erfassen kann. Dies hängt sowohl von der verwendeten Technik als auch von den richtigen Einstellungen in der Scan-Software ab.
Die Software VueScan eignet sich sehr gut für das Scannen von Schwarzweißfilmen, da sie durch zahlreiche Einstellmöglichkeiten eine präzise Kontrolle des Scanvorgangs erlaubt.
Keine automatische Korrektur von Schmutz und Kratzern
Eine infrarotbasierte Erkennung von Staub und Kratzern funktioniert bei klassischen Schwarzweißfilmen nicht. Das im Bild enthaltene metallische Silber wird im Infrarotkanal fälschlicherweise als Schmutz interpretiert.Eine Ausnahme bilden die Filme Kodak BW400CN und Ilford XP2, die im Farbnegativprozess (C41) entwickelt werden. Diese sogenannten chromogenen Schwarzweißfilme eignen sich sehr gut für die automatische Staub- und Kratzerkorrektur. Der Kodak BW400CN ist allerdings nicht mehr erhältlich. Beide Filme (ISO 400) zeichnen sich durch hohe Schärfe und sehr feines Korn aus.
Für alle anderen Schwarzweißfilme gilt: Die ICE- bzw. Infrarot-Reinigungsfunktion funktioniert nicht und sollte unbedingt deaktiviert werden, da sonst Bildfehler entstehen können. Das Konkurrenzprodukt SilverFast bietet zwar eine Funktion zur Retusche von Kratzern auch bei klassischen Schwarzweißfilmen, diese liefert in der Praxis jedoch keine überzeugenden Ergebnisse.
Der richtige Scanner für Schwarzweiß
Viele Scanner sind darauf ausgelegt, auch sehr dichte (dunkle) Filmstellen differenziert zu erfassen. Frühere Filmscanner hatten hier deutliche Schwächen: Sehr dunkle Bereiche wurden oft ohne Zeichnung wiedergegeben – beziehungsweise nach der Tonwertumkehrung als strukturlose helle Flächen.Die Leistungsfähigkeit eines Scanners in diesem Bereich wird durch den sogenannten Dmax-Wert beschrieben. Herstellerangaben sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, da sie insbesondere bei älteren Geräten (ab etwa 2000) häufig übertrieben ausfallen.
Flachbettscanner
Der ältere Flachbettscanner Agfa SnapScan 1236s mit Durchlichteinheit wurde vom Hersteller mit einem Dmax von 2,4 angegeben. Spezialisierte Filmscanner erreichen laut Datenblatt Werte zwischen 3,2 und 4. Ein deutlicher Unterschied ist zumindest bei Negativen jedoch oft kaum feststellbar.Ein Blick in die Datensammlung „Labor-Technik“ (1982) zeigt, dass handelsübliche Filme selten eine Dichte von mehr als 3,8 erreichen. Farbnegativfilme liegen meist sogar unter 3. Theoretisch sollten daher alle modernen Scanner in der Lage sein, auch die dichtesten Bildbereiche zu erfassen. In der Praxis werden Dmax-Werte jedoch häufig überschätzt.
Der oben genannte Agfa SnapScan 1236s liefert dennoch erstaunlich gute Ergebnisse, insbesondere bei großen Schwarzweißnegativen oder Glasplatten, mit sauber differenzierten Tonwerten.
Dennoch ist der Einsatz dieses veralteten Geräts heute nicht mehr empfehlenswert. Sehr gut geeignet sind moderne Flachbettscanner der Epson Perfection Photo-Serie.
Das Modell Epson Perfection 3200 Photo bietet ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis auf dem Gebrauchtmarkt. Neuere Modelle bringen für Schwarzweißfilme kaum Vorteile, da die zusätzliche Infrarot-Reinigung hier nicht nutzbar ist.
Ebenfalls empfehlenswert sind der Epson Perfection 4990 Photo sowie die Modelle Epson Perfection V750 Pro / V850 Pro, die sich zusätzlich auch sehr gut für Farbfilme eignen.
Problematische helle Bildstellen
Nicht die dichten (dunklen) Partien eines Negativs bereiten beim Scannen die größten Schwierigkeiten, sondern die sehr hellen Bereiche. Kein Film ist vollständig transparent – selbst klare Stellen können leichte Farbstiche aufweisen.Sehr helle, nahezu transparente Bildzonen sind besonders schwierig zu erfassen. Nach der Tonwertumkehrung entsprechen sie dunklen Bereichen im Positiv. Viele Scanner haben hier Schwierigkeiten, feine Abstufungen darzustellen, was zu Tonwertabrissen oder Detailverlust führen kann.
Filmscanner für Schwarzweiß
Dieser Effekt tritt bei Flachbettscannern oft weniger stark auf als bei hochauflösenden Filmscannern wie dem Nikon Coolscan 5000. Dieser ist primär für Farbfilme optimiert und nutzt eine infrarotbasierte Staub- und Kratzererkennung. Für klassische Schwarzweißfilme ist er jedoch weniger geeignet, da ICE hier nicht funktioniert und die spezielle Lichtquelle Kratzer stärker sichtbar machen kann.Unter Kennern gilt der ältere Polaroid SprintScan 35 Plus als besonders geeignet für Schwarzweißnegative. Alternativ sind auch die Plustek OpticFilm Scanner der 7000er- und 8000er-Serien eine gute Wahl.
Einstellungen für Schwarzweißnegative
Die folgenden Anpassungen der Standardwerte bieten eine gute Ausgangsbasis:Register: Filter
Alles deaktivieren!Farbe
Schwarzpunkt: 0,001 (oder 0,002)
Weißpunkt: 0,01
Hersteller SW: KODAK
Marke S/W: Internegative
Typ S/W: beliebig
Der Weißpunkt darf keinesfalls auf dem Standardwert „1“ stehen! Nur die Marke „Internegative“ erlaubt die maximale Tonwertdifferenzierung.
Ergebnis
TIFF-Datei aktivieren
Dateityp: 16 Bit Grau
JPEG deaktivieren
Die Ausgabe als 16-Bit-TIFF ist wichtig für maximale Bearbeitungsreserven.
Konkreter Film
Es ist nicht sinnvoll, den tatsächlichen Filmtyp einzustellen. Das Profil „KODAK Internegativ“ liefert die besten Ergebnisse über den gesamten Tonwertbereich.Weiß- und Schwarzpunkt
Kratzer sind oft heller als Bildinformationen und können die Messung verfälschen. Daher sollte der Weißpunkt so gesetzt werden, dass Kratzer nicht überbewertet werden.16 Bit Graustufe (TIF Format)
Da optimale Einstellungen schwierig sind, sollte der gesamte Tonwertbereich erhalten bleiben. Bilder wirken daher zunächst flau und werden später bearbeitet.Die Nachbearbeitung erfolgt z. B. in Photoshop mittels Tonwertkorrektur und Kontrastanpassung.
Bei größeren Bildbeständen empfiehlt sich die Nutzung automatisierter Aktionen.
Inhaltsverzeichnis:
Allgemein
FunktionenKalibrierung
Scannen Schwarzweißfilm
Scannen Farbnegativ
Scannen Dias
Filmtyp identifizieren
Register
QuelleZuschnitt
Filter
Farbe
Ergebnis
Einstellungen
© Thomas Gade | photoinfos.com | ISSN 3054-4769 (Online). Unsere Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt. Jede Nutzung ist nur mit schriftlicher Erlaubnis des Verfassers gestattet und stets honorarpflichtig.